Macharten

Macharten

Zwiegenäht, klebegezwickt & Co.

Es gibt viele Arten Schuhe herzustellen. Aber nur zwei Arten, um wirklich robustes und langlebiges Schuhwerk zu produzieren: Zwiegenäht und klebegezwickt. Genau aus diesem Grund haben wir uns bei HANWAG für diese Macharten entschieden. Wir sind damit der einzige deutsche Hersteller von Berg- und Trekkingschuhen, der sämtliche Schuhe zwickt, oder auf die alte Kunst des Zwienähens zurückgreift. Nebenbei erhalten wir damit eine traditionelle Handwerkskunst, die nur noch von wenigen Schuhmachern beherrscht wird.

So erkennt es der Profi! Innensohle raus und nachschauen:

Gezwickte Machart 

Gestrobelte Machart

Zwiegenähte Machart


Zwischen dem Futter und der Brandsohle gibt es keine Naht. 


Die Strobelnaht ist eine umlaufende Kettelnaht zwischen Schaft und Brandsohle. Gut für Sportschuhe, untauglich für Outdoor-Schuhwerk.


Bei zwiegenähten Stiefeln verläuft die Naht nicht innen sondern außen. Diese Machart ist handwerklich anspruchsvoll, und äußerst robust.

 

Gezwickte Machart

Bei Hanwag fertigen wir (mit der Ausnahme von drei Kinderschuhen) sämtliche Modelle, die nicht nach alter Handwerkskunst zwiegenäht werden, in gezwickter Machart. Bei diesem handwerklich anspruchsvollen und aufwändigen Verfahren zieht der Schuster den Schaft über den Leisten nach unten über die Brandsohle und fixiert diesen, so dass eine Einheit entsteht. Anschließend werden Zwischen- und Laufsohle montiert.

Die großen Vorteile des klebegezwickten Schuhwerks sind eine besondere Formbeständigkeit und Langlebigkeit bei der richtigen Pflege. Wir sind vermutlich der weltweit einzige Hersteller, der auch alle Halbschuhe zwickt. Der Nachteil des Klebezwickens ist sehr aufwändige Produktion, die den Schuh etwas teurer macht.

Falls die Laufsohle verschlissen ist, kann der Schuh ohne Probleme neu besohlt werden. Das machen wir bei Hanwag in Vierkirchen selbst. Vielen Kunden nehmen diesen Service gerne in Anspruch, schließlich sind ihre Schuhe perfekt eingelaufen. Und häufig „kleben“ daran wunderbare Erinnerungen. Immer wieder erhalten wir Schuhe zur Wiederbesohlung, die schon Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Da blüht unser Handwerkerherz voller Stolz auf. Das ist Qualität.

Unser Schuhentwickler, Johann Friedl erklärt Euch alles über diese Machart.

 

Gestrobelte Machart

Das „Strobeln“ ist eine Machart die zwar preisgünstiger, aber weit weniger solide als das Zwicken ist. Die Brandsohle wird dabei mit der, nach ihrem Erfinder benannten, Strobelnaht an den Schaft genäht. Anschließend wird die Sohleneinheit angespritzt.

Vor allem bei Lauf- und Sportschuhen wird diese Machart angewendet, da diese sehr flexibel sein müssen. Für solide und stabile Wander-, Trekking- oder Bergschuhe ist das „Strobeln“ allerdings nicht geeignet. HANWAG stellt keine Schuhe nach der gestrobelten Machart her. Gestrobelte Schuhe (im Englischen spricht man auch von einer „injection moulded sole“) kann man erkennen, wenn man die Innensohle herausnimmt: dann offenbart sich die von der Brandsohle zum Schaft umlaufende Strobelnaht.

 

Echt Zwiegenäht

Die Zwiegenähten sind nicht neu – ganz im Gegenteil. Seit mehr als 90 Jahren fertigen wir robuste Lederstiefel nach der echt zwiegenähten Machart. Wir können behaupten, dass wir zu den wenigen Schuhmachern gehören, die noch heute diese traditionelle und handwerklich anspruchsvolle Machart beherrschen. 

Zunächst stanzen wir die Brandsohle (die bezeichnet man gerne als „Herzstück“ des Schuhs, weil sie von außen später nicht sichtbar ist) aus und heften diese auf den Leisten. Dann geht es an die erste Naht, die so genannte Einstechnaht: Wir nähen das Oberleder mit dem Futter und der Brandsohlenlippe (das ist eine Erhebung am Rand der Brandsohle) zusammen. Ist diese erste Naht fertig, muss man „ausschlagen“. Das heißt, wir legen Oberleder und Futter im rechten Winkel nach außen. Bei einigen Modellen kommt außen noch der Rahmen dazu. In dieser Position entfernen wir mit einem scharfen Werkzeug den Überstand von Vorder-, Hinterkappe und vom Futter. Der Überstand, also das „Zuviel“ an Oberleder bleibt – wir nähen es bei der zweiten Naht mit um. Diese zweite Naht ist jetzt an der Reihe. Man nennt sie Doppelnaht, sie verbindet Oberleder, Rahmen (bei einigen Modelle) und Zwischensohle. Das Oberleder ist so fest durch zwei Nähte mit dem Schuhboden verbunden. Fertig ist der echt „zwiefach“ Genähte!

Das war die „echte“ Variante, die wir ausnahmslos bei Hanwag anwenden. Viele Hersteller fertigen „verfälschtes“ zwiegenähtes Schuhwerk. So geht’s: Nach dem Einstechen (also der ersten Naht, die identisch zur echten Variante ist) werden nicht nur Überstände an Vorder-, Hinterkappe und Futter entfernt, sondern auch vom Oberleder. Die Doppelnaht wird dann „nur“ noch zwischen Rahmen und Zwischensohle gezogen. Das heißt, das Oberleder wird kein zweites Mal mehr eingenäht.

Einen „echt“ Zwiegenähten erkennt man also am sichtbaren Oberleder am Sohlenrand. Bei „falsch“ Zwiegenähten sieht man es nicht. Es „verschwindet“ sozusagen im Schuh.

Übrigens gibt es auch eine dritte, noch „stärker gefälschte Variante“: Schuhwerk, das zwar auf den ersten Blick zwiegenäht scheint, das sich aber bei näherer Betrachtung als vollständig geklebt herausstellt. Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich um einen flexiblen Schuh mit herkömmlicher Fertigsohle handelt, der lediglich zweimal gedoppelt ist und so einen zwiegenähten Schuh vortäuscht.

Am Ende kommt es aber nicht auf die Optik an. Was zählt, sind Haltbarkeit und Stabilität des Schuhs. Und da unterscheiden sich die scheinbar so ähnlichen Macharten erheblich: Bei den "falsch" Zwiegenähten „fehlt“ das vernähte Oberleder als „Stabilisator“ – der Schuhboden hängt nur am Rahmen. Zwar ist auch die Zwischensohle mit dem Schaft verklebt, aber eine Naht hält wesentlich mehr als der beste Klebstoff. Das heißt konkret: wenn Rahmen oder Doppelnaht reißen, kann man den Schuh nicht mehr reparieren.

Bei uns kommt das keinesfalls in den Schuhkarton. Unsere Zwiegenähten sind allesamt „echt“ und ausnahmslos zwiegenäht. Und so wird es auch bleiben.

Früher musste man als „Preis“ für die lange Haltbarkeit der echt Zwiegenähten eine gewisse – nicht immer angenehme – Einlaufzeit hinter sich bringen. Heute sorgen moderne Polsterschäume, weiche Futterleder und handwerkliches Können dafür, dass Zwiegenähte nur eine kurze Einlaufzeit benötigen – manchmal sogar gar keine!

 

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