Vom “Muh” zum Schuh

Vom “Muh” zum Schuh

20.04.2016 News
Heute verrät uns der Friedl, welche Entwicklungsphasen
ein neuer Hanwag Schuh durchläuft, bevor er beim Fachhändler im Regal steht.

1. Die Idee

Die erste Frage ist: Welche Art von Schuh wollen wir bauen? Ideen und Anregungen bekommen wir von unseren Kunden, vom Händler, den Mitgliedern unseres ProTeams und natürlich denken wir auch selbst immer darüber nach. Steht die Idee im Raum, überprüfen wir, ob sie sinnvoll ist: Passt sie zur Marke Hanwag? Badelatschen wären zum Beispiel nicht unser Ding. Haben wir die Expertise einen solchen Schuh zu bauen? Sind wir auch in der Lage, ein besseres Produkte als die Konkurrenz anzubieten?

2. Das Grundkonzept

Unsere Kunden sind dann glücklich, wenn das Schuhwerk seinen „Job macht“. Der beste Schuh ist jener, den man vergisst, während man ihn trägt: die Absenz von Diskomfort. Damit wir dieses Ziel erreichen, müssen viele Faktoren zusammen passen: die richtigen Materialien, die geeignete Machart, das zum Einsatzzweck passende Konzept und nicht zuletzt unsere handwerklichen Fähigkeiten. Welchen Leisten nehmen wir? Welche Lauf- bzw. Zwischensohle? Welches Material? Wie steif soll der Schuh werden? Und, und, und.

3. Die Zeichnung

Der erste sichtbare Schritt zu einem neuen Modell findet tatsächlich auf Papier statt. Ich mache eine Zeichnung – meistens mehrere Varianten – in der man die Grundzüge des Schuhs bereits recht gut erkennt. Das spreche ich dann mit den Kollegen im Entwicklungsteam durch und verbessere. Das machen wir meistens in mehreren Runden. So lange, bis wir alle meinen, dass wir jetzt konkreter werden sollen und einen echten Schuh schustern.

4. Die CAD-Umsetzung

Vor ein paar Jahren wurde der Schritt zum ersten Muster noch von Hand vollzogen. Wir zeichneten die einzelnen Schnittteile auf, schnitten sie händisch aus und nähten sie zusammen. Heute macht das mein Kollege Jens Fickenscher mit seinem CAD-Programm (Computer Aided Design). Da kann man auf dem Bildschirm den späteren Schuh schon sehr viel besser erkennen, kann mit Farben spielen und – vor allem – die einzelnen Schnittteile mit Hilfe eines Laser Cutters ausschneiden.

5. Das Erstmuster

Aus den Einzelteilen nähen wir hier in Vierkirchen oder auch in unserem Joint Venture in Kroatien den ersten Schaft. Davor haben wir uns bereits bemüht, die gewünschte Sohle zu bekommen. Wenn es nicht eine bereits bestehende Sohle ist, müssen wir bei dem ersten Muster in der Regel Kompromisse eingehen. Es wäre einfach zu teuer nur für ein einziges Muster eine komplett neue Sohle zu bauen.

6. Prototypenbau

Ich will ehrlich sein: Nur selten ist das allererste Muster bereits so „fertig“, dass wir es außerhalb unseres Entwicklungsteams zeigen. Wir legen in der Regel mehrere Optimierungsrunden ein. Das kann das Material betreffen, die Position oder Anzahl der Schnürösen, die Form, die Höhe des Schafts, den Verlauf der Nähte etc. Es kann viel schiefgehen…

7. Der Testlauf

Bei komplett neuen Modellen schustere ich natürlich auch immer ein Muster für mich. Ich muss ihn am Fuß fühlen. Zusätzlich gehen erste Prototypen ans ProTeam und jene Kollegen hier im Haus, die sehr viel am Berg unterwegs sind. Von ihnen bekommen wir dann Feedback, wie sich der Schuh in der Praxis macht. Manchmal sind die Verbesserungsvorschläge sehr ähnlich. Es kann aber auch sein, dass sich Wünsche und Vorstellungen widersprechen. Dem einen ist der Schuh zu weich, dem anderen zu hart.

8. Die Präsentation

Die Schritte 6 und 7 gehen wir meist mehrfach. Zum ersten Mal zeigen wir das neue Modell in einem größeren Rahmen bei unserem weltweiten Sales Meeting. Als Schuhentwickler freue ich mich auf diesen Moment, weil man als Handwerker stolz auf das ist, was man geschaffen hat. Zugleich fürchte ich ihn auch, denn es gibt immer etwas besser zu machen und zu meckern… Oft haben unterschiedliche Märkte auch unterschiedliche Vorstellungen von einem bestimmten Modell. Das ist manchmal nicht so einfach.

9. Die Vorserie

Im Worst Case wird bereits im Sales Meeting ein Modell wieder verworfen. Das kann durchaus passieren, auch weil wir einfach noch nicht ganz fertig sind. Die meisten Modelle werden aber durchgewunken und wir schustern dann die Sales Man Samples. Diese Schuhe nehmen unsere Verkäufer mit zu den Vorlagen bei den Fachhändlern und wir zeigen sie auf den Messen. Jetzt fällt die eigentliche Entscheidung, ob ein Schuh in Serie geht. Was nicht verkauft wird, wird auch nicht produziert.

10. Die Serienfertigung

Bevor in der Fertigung in Vierkirchen, Kroatien oder Ungarn die Maschinen anlaufen, erfolgen noch Feinkorrekturen. Eine Schnalle wird geändert, die Farbe der Zwischensohle, manchmal auch noch Kleinigkeiten an der Konstruktion. Ein sehr komplexes Thema ist die Größengradierung, schließlich soll ein neues Modell in jeder Größe den gleichen Charakter haben. Elementar wichtig ist außerdem, dass wir alle Komponenten rechtzeitig verfügbar haben. Eine Innensohle in der falschen Farbe kann man noch irgendwie ersetzen, aber wenn das Leder in einer neuen Farbe fehlt oder die Laufsohle…

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